Neuenkirch zapft Wasser der Gemeinde Emmen an

Neuenkirch zapft Wasser der Gemeinde Emmen an

Aus den Hähnen in Neuenkirch und Sempach Station fliesst ab September 2019 auch Wasser aus Emmen. Die Wasserversorgungsgenossenschaft Neuenkirch (WVN) und der Gemeinderat Emmen haben einen entsprechenden Liefervertrag unterzeichnet.

Die WVN wird das Wasser aus dem Reservoir Rippertschwand beziehen, das auf Gemeindegebiet von Neuenkirch liegt. Damit das Wasser in die höher gelegenen Gebiete Neuenkirchs fliessen könne, müsse das Reservoir mit zwei Pumpen ausgerüstet werden, teilten die WVN und die Gemeinde Emmen am Freitag mit. Die Investitionskosten von 100’000 Franken würden von Emmen getragen und über Gebühren der WVN weiterverrechnet.

Emmen wird pro Tag durchschnittlich 300 Kubikmeter (300’000 Liter) Wasser nach Neuenkirch liefern. Dies entspreche etwa zehn bis 15 Prozent des Tagesbedarfs, erklärte Beat Gachnang, Präsident der WVN, auf Anfrage.

Die WVN deckt ihren Bedarf heute mit eigenen Quellen, mit Grundwasserpumpwerken und in Spitzenzeiten aus dem Sempachersee. Sie betont, dass keine Notlage bestehe, sondern dass es um eine langfristige Gewährleistung der Versorgungssicherheit gehe. Gachnang sprach von einem Horizont von 20 bis 30 Jahren.

Neuenkirch ist nicht die einzige Gemeinde, die Wasser aus Emmen bezieht. Seit 1923 liefert Emmen Wasser nach Rothenburg. Auch Teile von Ebikon haben Emmer Trinkwasser. Künftig wird auch der Verbund Aquaregio Wasser-Sursee-Mittelland Wasser aus Emmen erhalten.

Betongold hat sich 2018 für Investoren gelohnt

Investitionen in Schweizer Immobilien haben sich auch 2018 ausbezahlt. Mit einem Plus von 6,1 Prozent stieg der Schweizer Immobilien Index auch 2018 im Ausmass des langjährigen Durchschnitts an. Nicht umsonst werden Immobilien als Wertanlagen auch “Betongold” genannt.

Im Vorjahr betrug das Plus 5,8 Prozent und über die vergangenen zehn Jahre 6,2 Prozent, teilten der Immobiliendienstleister Wüest & Partner und der Fondsanbieter MSCI am Freitag mit. Am Schweizer Aktienmarkt haben Anleger im Vergleich dazu rund zehn Prozent verloren.

MSCI analysierte dafür 39 Portfolios mit rund 3500 Objekten mit einem Marktwert per Ende 2018 von 97,7 Milliarden Franken. Davon entfielen 47 Prozent auf den Bereich Wohnen, 33 Prozent auf Büros und 14 Prozent auf Handel. Von diesen Objekten hätten 77 Prozent im vergangenen Jahr eine höhere, 21 Prozent eine niedrigere und zwei Prozent eine stabile Bewertung aufgewiesen.

Damit hinkt die Schweiz anderen Ländern hinterher. So betrug die Wertsteigerung in den Niederlanden 14,4 Prozent, in Schweden 10,6 und in Norwegen 7,7 Prozent. Geringer war das Plus im Vereinigten Königreich mit 5,1 Prozent, was der Verunsicherung der Anleger im Zusammenhang mit dem Brexit geschuldet sei, erklärte Mikkel Loft von MSCI vor den Medien.

Wie meistens in den vergangenen Jahren entwickelte sich in der Schweiz der Wohnbereich mit knapp sieben Prozent am besten. Zweitstärkster Sektor mit einer Performance von 6,8 Prozent waren Büros, gefolgt von Industrie mit 5,2 Prozent.

Mit einem Plus von 3,4 Prozent liegt der Bereich Detailhandel deutlich abgeschlagen. Der Bereich Hotel, der allerdings nur mit einem Prozent in den Portfolios vertreten ist, gewann ebenfalls 3,4 Prozent.

Ob es im laufenden Jahr auf dem gleichen Niveau weitergeht, wird sich zeigen. Ein Grossteil des Anstiegs ist nämlich auf den Rückgang des Diskontsatzes und damit auf Bewertungsgewinne zurückzuführen. Die Mieteinnahmen hätten sich dagegen mehr oder weniger stabil entwickelt. Im Bereich Handel seien sie gar stark rückläufig gewesen.

“Wohnen war der einzige Sektor mit einem positiven Mietwachstum”, stellte MSCI-Experte Loft fest.

Baumeister fordern bei Rahmenabkommen Zugeständnisse der EU

Beim institutionelles Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU braucht es nach Ansicht des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) Nachverhandlungen beim Protokoll 1. Dieses regelt die Bestimmungen zu den flankierenden Massnahmen und zur Sozialpartnerschaft.

In einer Medienmitteilung vom Sonntag betont der SBV weiter, im Rahmenabkommen seien die Schweizer Sozialpartner ausdrücklich als verantwortliche Stellen im Vollzug der flankierenden Massnahmen in der Schweiz anzuerkennen.

Die gelebte Sozialpartnerschaft mit dem bewährten Arbeitsfrieden dürfe nicht durch die EU in Frage gestellt werden, indem beispielsweise nur noch staatliche Behörden als Kontrollorgane für allgemein verbindlich erklärte Gesamtarbeitsverträge zugelassen werden könnten.

Das aktuelle Verhandlungsergebnis brauche in diesem Punkt eine klare Präzisierung im Protokoll 1: Auch in Zukunft sollen paritätische Kommissionen zur Überwachung der Lohn- und Arbeitsschutzbestimmungen zugelassen sein. Dieser Anhang sei für die Bauwirtschaft zentral.

Ebenfalls klare Zugeständnisse der EU brauche es bei den flankierenden Massnahmen zur Sicherstellung des Lohnschutzes. Der Vollzug der flankierenden Massnahmen könne technisch optimiert werden und in angepasster Form erfolgen. Dieses Potenzial gelte es künftig auszuschöpfen.

Für den SBV müssen jedoch länderspezifische Ausnahmen im Protokoll 1 explizit garantiert werden. Dazu gehören branchenspezifische Voranmeldefristen, Kautionspflichten im Wiederholungsfall und die Dokumentationspflicht für Selbständige.

Der Zentralvorstand des SBV hat das institutionelle Rahmenabkommen an seiner Frühjahresklausur besprochen. Grundsätzlich begrüsse der SBV ein Abkommen mit der EU, heisst es in der Medienmitteilung.

Schwimmbad in Altdorf wird für 16 Millionen Franken saniert

Das Schwimmbad Altdorf soll weitere 35 Jahre fortbestehen. Dazu wird es ab 2020 saniert. Der Urner Regierungsrat hat für die erste Bauetappe ein Budget von 8 Millionen Franken gewährt, die Gesamtsanierung dürfte rund 16 Millionen Franken kosten.

In der ersten Sanierungsetappe gehe es um Werterhaltung, sagte Bruno Arnold, Geschäftsführer der Schwimmbadgenossenschaft Altdorf am Mittwoch auf Anfrage. In erster Linie werde das undichte Dach erneuert, Erweiterungen seien gemäss dem Schwimmbadfinanzierungsgesetz nicht vorgesehen.

Geplant sei, die Arbeiten am Gebäude aus dem Jahre 1978 in den Sommermonaten 2020 vorzunehmen, sodass der Betrieb möglichst nicht beeinträchtigt werde. Auch strebe man eine Etappierung an. Ein Vorprojekt zeigt den Zustand und die nötigen Massnahmen auf.

Rund fünf Jahre später soll eine zweite Sanierungsetappe folgen. Mögliche Themen seien dann der Ersatz von Schwimmbecken, Arbeiten an der Aussenanlage, sowie die Erneuerung von Lüftung, Wasseraufbereitung und Leitsystemen. In einem allfälligen dritten Teil könnte etwa ein neues Eintrittssystem realisiert werden.

Das Geld für die Sanierung stammt aus dem Schwimmbadfonds, der über jährliche Kantons- und Gemeindebeiträge sowie über eine Anschubfinanzierung in Form von zinslosen Darlehen des Kantons alimentiert wird.

Zürich: Kurzes Staunen über “Rosengarten-Projekt”

Die Positionen aller Beteiligten zum Projekt “Rosengartentram & Rosengartentunnel” in der Stadt Zürich sind schon lange bekannt. Kein Wunder, brachte auch eine Diskussion im Zürcher Stadtparlament am Mittwochabend keine neuen Erkenntnisse. Immerhin geriet Stadtrat Richard Wolff (AL) kurz ins Staunen.

Wolff staunte vor allem, weil er doch einige “Argumente gegen das Tram” zu hören bekam. Denn das Ziel der stadträtlichen Bemühungen sei es ja gewesen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man zu einem Rosengartentram komme. “Und dieses ist ohne die Kröte Tunnel nicht zu haben”, sagte Wolff.

Die Debatte im Rat ging im Vorfeld der 2. Lesung des Kantonsrats zum Gesamtprojekt “Rosengartentram & Rosengartentunnel” über die Bühne. Diese findet voraussichtlich am kommenden Montag statt.

Die Partei-Positionen im Gemeinderat ähneln jenen im Kantonsrat. Deshalb bekamen Wolff – und andere – “nichts Neues zu hören”, wie es der Vorsteher des Tiefbaudepartementes formulierte. Vorbehaltlos unterstützt wird das Projekt von FDP und SVP. Die andern üben Kritik – insbesondere am Kosten-Nutzenverhältnis.

Der Zürcher Stadtrat steht weiterhin hinter dem Projekt. Falls die Verkehrskapazität – wie mit der Kantonsregierung vor Jahren vereinbart – begrenzt wird und die Stadt die Hoheit über die Verkehrsregelung behält. Diese Position nimmt auch die EVP ein.

Die Rosengartenstrasse wurde 1972 als Provisorium der Westtangente in Betrieb genommen. Das Provisorium ist aber längst zur Dauerlösung geworden, mit über 50’000 Fahrzeugen pro Tag.

Dieser Verkehr soll durch einen insgesamt 2,3 Kilometer langen Tunnel geleitet werden. Die Kapazität des Autoverkehrs soll so erhalten und die Rosengartenstrasse auf einem Abschnitt von etwa 700 Metern zur Quartierstrasse werden. Auf ihr würde als neue ÖV-Verbindung das Rosengartentram fahren.

Die Gesamtkosten für Tunnel und Tram belaufen sich auf 1,1 Milliarden Franken. Der Kanton rechnet aber damit, dass sich der Bund und die Stadt Zürich daran beteiligen. Fertig wäre das Generationenprojekt im Jahr 2032.

Autobahnzollamt Saint-Louis/Basel wird ausgebaut

Wegen häufiger Lastwagenstaus bauen die französischen Behörden das Autobahnzollamt Saint-Louis/Basel um. Unter anderem werden zusätzliche Sortierspuren eingerichtet. Die Arbeiten kosten 12,5 Millionen Euro, wozu die Schweiz 4,5 Millionen beisteuert.

Das Zollamt, die “plate-forme douanière de St-Louis/Basel”, liegt ganz auf französischem Territorium, just an der Landesgrenze am Nordwestrand von Basel. Täglich passieren 1200 Laster je Richtung diesen Grenzübergang, wie aus Unterlagen der für das Südelsass zuständigen Préfecture du Haut-Rhin in Colmar hervorgeht. Daneben hat es zwischen der Schweiz und Frankreich nur in Genf noch zwei Autobahn-Grenzübergänge.

Ähnlich wie auf der anderen Seite des Rheins am Autobahnzollamt Basel/Weil am Rhein (D) auf der A2/A5 führt der dichte Verkehr auch auf der A3/A35 bei Saint-Louis täglich zu Staus und oft zu Unfällen. So starb 2017 eine Person, als ihr Auto in einen stehenden Laster krachte.

Camions, die wegen des Schweizer Sonntagsfahrverbotes vor dem Zoll warten, verstellen montags häufig die knapp fünf Kilometer entfernte Ausfahrt zum Flughafen Basel-Mülhausen. Aus Frankreich pendeln (Ende 2018) täglich 17’500 Grenzgänger allein in den Kanton Basel-Stadt; dazu kommen Elsässer Pendler ins Baselbiet und zu Aargauer Arbeitsplätzen.

Die Lage entschärfen soll nun ein neues Regime beim Zollamt mit separaten Spuren für Lastwagen, die leer in die Schweiz fahren oder sie im Transit durchqueren sowie für jene, die Zollformalitäten abwickeln müssen. Erstere sollen so deutlich schneller wegkommen, wenn sie nicht wie heute in der gemischten Kolonne stecken bleiben.

In Fahrtrichtung Schweiz wird seit Montag als erste Etappe die LKW-Ausfahrt ab der A35 verlängert und von einer auf zwei Spuren umgestaltet. Diese Ausfahrt führt via eigene Brücke zur auf der anderen Seite (nördlich) der Autobahn gelegenen Abfertigungszone mit den eigentlichen Halteplätzen für rund 70 Lastwagen.

Die letzte Bauetappe soll 2021 abgeschlossen werden, wie ein Sprecher der für das Projekt verantwortlichen französischen Behörde (DREAL Grand Est) am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die eigentlichen Bauarbeiten seien relativ einfach, aber wegen der Enge und dichtem Verkehr heikel und zeitaufwändig.

Insgesamt sollen die Arbeiten rund 12,5 Millionen Euro kosten. Davon fliessen 4,58 Millionen Euro aus der Schweiz, wie beim Bundesamt für Strassen (Astra) zu erfahren war. Der für den grenzüberschreitenden Beitrag erforderliche Notenaustausch sei noch nicht abgeschlossen; die Gelder aber zugesichert.

Entnommen werden die 4,58 Millionen Euro dem Unterhaltsbudget Nationalstrassen. Diese “Verkehrsmanagementmassnahme” direkt an der Grenze lässt laut Astra den Verkehr auch auf dem angrenzenden inländischen Abschnitt besser fliessen. In Fahrtrichtung Frankreich kommt die A3 direkt davor aus dem Tunnel der Basler Nordtangente.

Stollen für künftige Eigerexpress-Bahnstation sind durchbrochen

Bei den Bauarbeiten für das 470 Millionen Franken teure V-Bahn-Projekt der Jungfraubahnen ist am Freitag ein wichtiger Zwischenschritt erreicht worden. Bauarbeiter feierten den Durchstich von zwei Stollen für die künftige Bergstation der neuen Eigerexpress-Seilbahn.

Kurz nach zwölf Uhr wurden geladene Gäste und Medienschaffende Zeugen, wie die Bauarbeiter die letzte dünne Felswand der beiden Bergstollen durchstiessen. Das teilten die Jungfraubahnen und die Männlichenbahn mit, die beiden Bauherren des V-Bahn-Projekts.

Auf über 2300 Meter über Meer sollen künftig die Personen, welche mit dem Eigerexpress in Richtung Eigergletscher schweben, entweder auf die Jungfraubahn in Richtung Jungfraujoch respektive Wengen umsteigen können. Oder aber sie schreiten in Richtung Skipisten.

Dank der beiden Verbindungsstollen werden ankommende und abreisende Gäste voneinander getrennt. Die Stollen sind bis zu 40 Meter lang.

Am 12. Dezember 2020 soll der Eigerexpress und damit auch die Bergstation in Betrieb gehen. Bereits ein Jahr vorher möchten die beiden Bauherren den neuen Bahnhof der Berner Oberland-Bahn in Grindelwald Grund und die neue Männlichenbahn eröffnen. Zum V-Bahn-Projekt gehört auch ein Parkhaus in Grindelwald Grund.

Vorerst müssen aber oben am Eigergletscher noch Felssicherungsarbeiten ausgeführt werden. Danach folgen Betonarbeiten, der Innenausbau und die Installation der Seilbahntechnik. Die ersten Bauarbeiten am V-Bahn-Projekt begannen im vergangenen Juli.

Junge Grünliberale drohen mit Referendum gegen Strassenausbau

Die Jungen Grünliberalen (JGLP) drohen mit dem Referendum gegen den vom Nationalrat beschlossenen Ausbau der Nationalstrassen. Dieser sei “masslos”, und es fehlten Massnahmen zur Verkehrsvermeidung. Die Partei erwartet vom Ständerat entsprechende Korrekturen.

Der Beschluss des Nationalrates verstosse sowohl gegen eine wirksame Klimapolitik wie auch gegen die notwendige Finanzverantwortung, teilte die JGLP in der Nacht auf Sonntag mit. Konkret fordert die JGLP zu jedem Ausbauprojekt begleitende Massnahmen zur Verkehrsvermeidung wie etwa eine Förderung von Car-Pooling oder Vorgaben bei der Raumplanung für kurze Arbeitswege.

Der Nationalrat hatte am Montag in der Debatte um den Ausbau der Nationalstrassen und die neuen Agglomerationsprogramme die vom Bundesrat beantragten Mittel kräftig aufgestockt. Für Betrieb, Unterhalt und Ausbau des Nationalstrassennetzes hatte die Regierung dem Parlament 12,8 Milliarden Franken beantragt. Der Nationalrat erhöhte die Mittel für den Ausbau um mindestens rund 1,5 Milliarden Franken. In den Agglomerationen wollte der Bundesrat wegen ausbleibender Fortschritte Projekte streichen oder kürzen. Der Nationalrat hingegen bewilligte zusätzlich 145 Millionen Franken, insgesamt knapp 1,5 Milliarden Franken.

Chaotischer Brexit: Schweizer Unternehmen rüsten sich für Ernstfall

Ein chaotischer Brexit wird immer wahrscheinlicher. Schweizer Firmen arbeiten zum Teil seit Monaten an Notfallplänen, haben Lager aufgestockt und neue Lieferanten gesucht – und bleiben nun relativ gelassen.

Am 29. März 2019 um Mitternacht erlischt nach aktuellem Stand die Mitgliedschaft Grossbritanniens in der Europäischen Union (EU). Doch zwei Wochen vor diesem Termin – und etwas tausend Tage nach dem Austrittsentscheid – gibt es immer noch keinen Deal über die Rahmenbedingungen. Die politische Debatte steht “in the eleventh hour” – es ist also quasi fünf vor zwölf.

Auch die Schweiz ist aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung vom Austritt der Insel aus der EU nachhaltig betroffen. Denn heute sind die Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich massgeblich über die bilateralen Abkommen der Schweiz mit der EU geregelt. Die Schweiz konnte aber – im Gegensatz zur EU – die zukünftige Beziehung zu Grossbritannien bereits mit mehreren Verträgen klären.

Auf einen Brexit gewappnet haben sich auch Schweizer Unternehmen. Sie haben in den letzten Monaten Notfall-Pläne geschmiedet. Dabei gestalten sich die Auswirkungen des Brexit für jede Branche unterschiedlich. Eine AWP-Umfrage bei börsenkotierten Gesellschaften zu den Massnahmen und möglichen Auswirkungen eines “hard Brexit”, bringt aber eines zu Tage: Gross beunruhigen lässt sich kaum ein Firmenchef.

Relativ direkt und stark von einem ungeregelten Austritt Grossbritanniens wären Logistikunternehmen betroffen, die im Auftrag ihrer Kunden den Transport von Gütern von A nach B organisieren und durchführen lassen. Wegen der ungewissen Lage dürften die Lastwagen aus Europa lange am Zoll im Stau stehen. Oft so lange, dass die Ware nicht rechtzeitig zu den britischen Abnehmern kommt.

Ceva Logistics etwa rechnet nicht in Stunden. Die Verzögerungen könnten potenziell “in die Tage” gehen, sagte das Unternehmen auf Anfrage. Ceva habe sich daher zusätzliche Lagerflächen gesichert, um bei Bedarf Reserven zu haben. Auch für die Zollabfertigung habe Ceva, das Unternehmen beschäftigt im Vereinigten Königreich 4’000 Mitarbeitende, zusätzliche Ressourcen bereitgestellt. Denn diese werden ohnehin erforderlich sein – unabhängig vom Ergebnis der Brexit-Verhandlungen.

Verschiedene Schweizer Pharmazulieferer betreiben Produktionsstandorte auf der Insel, oder beziehen Grund- und Zwischenprodukte aus Grossbritannien. Um einen Produktionsunterbruch zu vermeiden, haben die betroffenen Unternehmen Vorräte angelegt oder alternative Lieferanten gesucht.

Bei Lonza etwa stehen etwa 1’200 der insgesamt 15’500 Mitarbeitenden auf der britischen Lohnliste. Lonza hat in Grossbritannien auch Lieferanten. Ein “hard Brexit” würde Lonza während maximal zwei Monaten tangieren, sagte der frühere Konzernchef Richard Ridinger Ende Januar. “Wir sind darauf vorbereitet und die direkten Auswirkungen wären limitiert und überschaubar”, sagte Ridinger.

Bachem beschäftigt 40 seiner mehr als 1000 Mitarbeitenden an einem UK-Standort. Ein ungeregelter Brexit würde dem Peptidhersteller Mehraufwand, Mehrkosten und Verzögerungen in der Lieferkette einbrocken, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärte. Die Bubendorfer haben hat daher ihre Bezüge und Belieferungen intensiviert, um Engpässe auch über mehrere Monate abdecken zu können.

Siegfried hatte bisher einen wichtigen Lieferanten in Grossbritannien. Um möglichen Problemen zu entgehen, hat der Zofinger Pharmazulieferer einen zweiten Lieferanten für den betroffenen Rohstoff gesucht und gefunden. Ein harter Brexit treffe Siegfried daher nicht direkt.

Auch in der Industrie hat man sich auf den Brexit vorbereitet. Der Hörgerätehersteller Sonova verlegt in den kommenden Monaten gewisse Dienstleistungen und Fertigungsaktivitäten aus dem britischen Werk Warrington nach Spanien und nach Vietnam, weil er nach dem Brexit Unterbrechungen in der Lieferkette befürchtet. Oder der Maschinenbauer Bucher Industries, der unter anderem Kanalreinigungsfahrzeuge in Grossbritannien verkauft, hat seine Lager aufgestockt.

Längst Vorbereitungen getroffen hat auch die Finanzindustrie, für die die City of London bisher das wichtigste Finanzzentrum der EU war. Sie hat einer Studie des Think Tanks New Financial zufolge bereits 1200 Milliarden Dollar Vermögen aus dem Vereinigten Königreich abgezogen. Und mehrere Tausend Beschäftigte ziehen um oder werden an den neuen Standorten eingestellt.

Auch die UBS hat im Hinblick auf den Brexit den Standort Frankfurt als Hub für das EU-Geschäft ausgebaut. Insgesamt werden wegen des Brexit aber weniger als 200 der gut 5000 Mitarbeiter von London wegtransferiert. Ein Teil davon geht aber auch nach Mailand und Paris.

Für die Credit Suisse wird London “in jedem Fall” ein wichtiger Standort bleiben. Aber auch bei der zweitgrössten Schweizer Bank werden andere Standorte wie Madrid, Frankfurt und Luxemburg an Bedeutung gewinnen. Mit konkreten Angaben hält sich die Credit Suisse allerdings zurück: Weder mögliche Kosten, die wegen des Brexit entstehen, noch eine Anzahl an betroffenen Mitarbeitern, die etwa aus London wegziehen müssten, werden benannt.

Junge Grüne Zürich lancieren kantonale Kreislaufinitiative

Die Jungen Grünen Zürich haben am Freitagnachmittag ihre kantonale Kreislauf-Initiative vor dem Rathaus Zürich lanciert. Dieses wendet sich gegen unnötige Verpackungen und Lebensmittelverschwendung.

Die Schweiz gehöre zur europäischen Spitze bei der Abfallmenge, hiess es in einer Medienmitteilung. Unnötige Verpackungen und die gigantische Lebensmittelverschwendung seien der Grund dafür.

Dieser Ressourcenverschleiss sei zugleich ein gigantisches Problem für das Klima. “Wir wollen, dass der Kanton Zürich im Klimaschutz endlich vorwärts macht”, liess sich Julian Croci, Co-Präsident Junge Grüne Zürich, zitieren.

Um das Klima zu schützen, will die Kreislauf-Initiative den Ressourcenverbrauch reduzieren. Ausserdem möchten die Initianten das Einfliessen von potenziell schädlichen Stoffen in die Umwelt verringern. Geschlossene Stoffkreisläufe sollen angestrebt werden, um so einen Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft zu tun. Die Kreislauf-Initiative folgt dem Grundsatz: Reduce, Reuse, Recycle.

Auch beim Foodwaste müsse endlich etwas getan werden 30 Prozent der Lebensmittel in der Schweiz landeten im Abfall! “Dies ist skandalös und schadet unserem Planeten”, betonte Selina Walgis, Co-Präsidentin Junge Grüne Zürich, im Communiqué.

Die Lancierung wurde von einer Aktion auf der Rathausbrücke in Zürich begleitet: Aktivistinnen und Aktivisten retteten als Ärztinnen und Ärzte verkleidet eine kranke Erde, die sich von Rohstoffausbeutung, Umweltverschmutzung und Treibhausgasemission erholen muss.

“Wir können die Erde im Kanton Zürich nicht alleine retten, wir können aber wegweisende Innovationen in die richtige Richtung fördern”, sagte Co-Präsident Croci.

X