St. Gallen: Geplante Staus für die verkehrsbelastete Stadt

In und um die Stadt St. Gallen sind die Strassen zu Stosszeiten überlastet. Bis zum Ausbau der Stadtautobahn soll deshalb der Verkehr über Lichtsignale und Pförtneranlagen gesteuert werden. Geplante Staus auf den Zufahrtachsen sollen für einen flüssigen Verkehr auf Stadtgebiet sorgen.

Gubrist West 07Das St. Galler Strassennetz ist zu Stosszeiten überlastet, der Verkehr wird weiter zunehmen und es kann nicht zugewartet werden, bis die Stadtautobahn – voraussichtlich zwischen 2030 und 2040 – ausgebaut wird.

Diese Ausgangslage war am Montagabend an einer Veranstaltung über das Verkehrsmanagement in der Agglomeration St. Gallen unbestritten. Regierungsmitglieder der Kantone Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen sowie Vertreter der Stadt St. Gallen informierten in Räumlichkeiten der Fachhochschule über die nun geplanten Massnahmen.

Die Bevölkerung und damit der Verkehr werde weiter zunehmen, stellte der neue St. Galler Bauchef Marc Mächler (FDP) fest. Betroffen davon seien vor allem die Zentren. Ein grosser Teil des zusätzlichen motorisierten Individualverkehrs solle zwar vom öffentlichen Verkehr aufgefangen oder auf den Fuss- und Veloverkehr umgelagert werden, sagte der Regierungsrat.

Doch das reiche nicht aus, hiess es an der Veranstaltung. Mit einem aktiven Verkehrsmanagement wolle man versuchen, den Verkehrsfluss in der Stadt St. Gallen möglichst auf dem heutigen Niveau zu halten. Langfristig brauche es aber auch die dritte Autobahnröhre mit einer Teilspange sowie den Liebeggtunnel.

Zum Verkehrsmanagement gehört eine Lichtsignalsteuerung, die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs mit zusätzlichen Busspuren, aber auch sogenannte “Pförtneranlagen” auf den Zufahrtsachsen ins Stadtzentrum, kombiniert mit Detektoren zur Erfassung der Rückstaulänge.

Damit könne die Verkehrsüberlastung dort in Kauf genommen werden, wo der Stauraum vorhanden sei und die nachteiligen Auswirkungen möglichst gering gehalten werden, wurde erklärt.

Eine solche Pförtneranlage wird es unter anderem in der Liebegg, an der Grenze zwischen St. Gallen und Ausserrhoden, geben. Es sei die vielleicht politisch heikelste Massnahme, so Christian Hasler, Bereichsleiter Verkehr im Tiefbauamt der Stadt St. Gallen. Die Idee: Vor dem Quartier Riethüsli sollen die Autos so lange zurückgehalten werden, bis sie das Stadtgebiet flüssig durchqueren können.

Wie das genau funktionieren wird, ist noch nicht entschieden. Verschiedene technische Möglichkeiten sollen nun geprüft werden. Der Ausserrhoder Kantonsingenieur Urban Keller forderte “etwas Intelligentes”, man müsse mit den Autolenkern kommunizieren können.

Es sei nicht einfach, den Appenzeller Automobilisten zu erklären, dass sie künftig vor der Stadtgrenze künstlich gestaut würden, erklärte die Ausserrhoder Regierungsrätin Marianne Koller-Bohl (FDP). Es brauche aber diese Massnahme für ein “mitverursachtes Problem”, stellte sie klar.

Man müsse sich in die Lage derjenigen versetzen, die mit dem Auto oder dem Lastwagen unterwegs seien. Für sie zähle vor allem, dass man die Fahrzeit planen könne. Dies werde mit dem Verkehrsmanagement möglich. In der heutigen Hochleistungswirtschaft würden Verspätungen durch Staus nicht akzeptiert, sagte sie.

Die diversen konkreten Massnahmen sollen nun schrittweise umgesetzt werden. So braucht es für die Pförtneranlage in der Liebegg zuerst noch Kabelverbindungen. Sie werden im neuen Riethüsli-Tunnel verlegt. Angestrebt wird, die Anlage gleichzeitig mit der Durchmesserlinie auf den Fahrplanwechsel 2018/19 in Betrieb zu nehmen.

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